Die drei Unterhaltsformen im Überblick
| Form | Wann | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Kindesunterhalt | Solange das Kind unterhaltsbedürftig ist | § 1601 ff. BGB, Düsseldorfer Tabelle |
| Trennungsunterhalt | Ab Trennung bis Rechtskraft der Scheidung | § 1361 BGB |
| Nachehelicher Unterhalt | Nach Rechtskraft der Scheidung | §§ 1569–1586 BGB |
Kindesunterhalt nach Düsseldorfer Tabelle
Die Düsseldorfer Tabelle ist keine Rechtsnorm, sondern eine Leitlinie des OLG Düsseldorf, der praktisch alle Familiengerichte folgen. Sie ordnet das Nettoeinkommen des barunterhaltspflichtigen Elternteils zehn Einkommensgruppen zu und legt für vier Altersstufen einen Mindestunterhalt fest.
| Altersstufe | Alter | Tabellenbetrag |
|---|---|---|
| 1 | 0–5 Jahre | 482 Euro |
| 2 | 6–11 Jahre | 554 Euro |
| 3 | 12–17 Jahre | 649 Euro |
| 4 | ab 18 Jahre | 693 Euro |
Vom Tabellenbetrag wird die Haelfte des Kindergeldes abgezogen (bei volljaehrigen Kindern das volle Kindergeld). Wer ueberdurchschnittlich verdient, rutscht in eine hoehere Einkommensgruppe; das OLG Düsseldorf passt die Tabelle regelmäßig zum Jahreswechsel an.
Selbstbehalt: Dem Unterhaltspflichtigen muss ein angemessener Eigenbedarf bleiben. Für Erwerbstaetige liegt der Selbstbehalt gegenueber minderjaehrigen Kindern 2026 bei 1.450 Euro im Monat.
Trennungsunterhalt: oft uebersehen, oft entscheidend
Mit der Trennung wandelt sich der Familienunterhalt in Trennungsunterhalt nach § 1361 BGB. Anspruchsberechtigt ist der wirtschaftlich schwaechere Ehegatte. Anders als beim nachehelichen Unterhalt gilt während des ersten Trennungsjahres regelmäßig keine Erwerbsobliegenheit; die bisherige Aufgabenverteilung darf erst einmal fortgesetzt werden.
Praktische Konsequenz: Wer während der Ehe nicht erwerbstaetig war, muss nicht sofort eine Stelle suchen. Das aendert sich mit zunehmender Trennungsdauer und nach Rechtskraft der Scheidung.
Nachehelicher Unterhalt: kein Selbstlaeufer mehr
Mit der Unterhaltsrechtsreform 2008 ist die Eigenverantwortung des geschiedenen Ehegatten zum Leitgedanken geworden (§ 1569 BGB). Nachehelicher Unterhalt ist nur unter bestimmten Voraussetzungen geschuldet, etwa:
- Betreuungsunterhalt wegen gemeinsamer Kinder (§ 1570 BGB) – für mindestens drei Jahre nach Geburt.
- Unterhalt wegen Alters (§ 1571 BGB) – wenn eine Erwerbstaetigkeit altersbedingt nicht zumutbar ist.
- Krankheitsunterhalt (§ 1572 BGB) – bei Erwerbsunfaehigkeit.
- Aufstockungsunterhalt (§ 1573 II BGB) – wenn das eigene Einkommen den ehelichen Lebensstandard nicht deckt.
Die Befristung und Begrenzung des Unterhalts nach § 1578b BGB ist heute Regelfall. Gerichte prüfen sehr genau, ob ehebedingte Nachteile vorliegen – etwa weil ein Ehegatte die Karriere zugunsten der Kinder zurueckgestellt hat.
Was ein Fachanwalt typischerweise prüft
- Bereinigtes Nettoeinkommen beider Seiten (Steuern, Vorsorge, berufsbedingte Aufwendungen).
- Wohnvorteil bei selbstgenutztem Eigentum.
- Berufsbedingte Aufwendungen mit Pauschale und Einzelnachweis.
- Konkurrierende Unterhaltsansprueche (weitere Kinder, neuer Ehegatte).
- Verwirkung bei schwerwiegendem Fehlverhalten.
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FAQ
Häufige Fragen
Wie viel Unterhalt steht meinem Kind zu?
Der Tabellenbetrag richtet sich nach Nettoeinkommen des Pflichtigen und Alter des Kindes. Beispiel: Verdient der Vater netto 2.000 Euro und das Kind ist sieben Jahre alt, betraegt der Tabellenbetrag (Düsseldorfer Tabelle 2026, Stufe 1) 554 Euro. Davon ist die Haelfte des Kindergeldes abzuziehen.
Wie lange muss ich nachehelichen Unterhalt zahlen?
Seit der Reform 2008 ist die Eigenverantwortung der Regelfall. Die Befristung haengt vom Einzelfall ab: Ehedauer, Kinder, berufliche Nachteile durch die Ehe. Lange Ehen mit Kindern fuehren eher zu unbefristetem Unterhalt, kurze Ehen ohne Kinder selten zu langfristigen Anspruechen.
Was ist, wenn der Pflichtige nicht zahlt?
Der titulierte Unterhalt kann vollstreckt werden – Lohnpfaendung, Konto, Sachen. Bei Kindesunterhalt zahlt der Staat vorrangig den Unterhaltsvorschuss (bis 12 Jahre, eingeschraenkt bis 18 Jahre) und holt sich das Geld beim Pflichtigen zurueck.
Muss ich nach der Trennung sofort arbeiten?
Im ersten Trennungsjahr gilt regelmäßig keine Erwerbsobliegenheit, wenn Sie während der Ehe nicht oder nur teilweise gearbeitet haben. Mit zunehmender Trennungsdauer und nach Rechtskraft der Scheidung steigt die Pflicht, eigenes Einkommen zu erzielen.
Was ist der Selbstbehalt?
Der Selbstbehalt ist der monatliche Betrag, der dem Unterhaltspflichtigen mindestens bleiben muss. Gegenueber minderjaehrigen Kindern liegt er für Erwerbstaetige 2026 bei 1.450 Euro, gegenueber dem geschiedenen Ehegatten hoeher.